| Politik/Gesellschaft | aus dem Cartell | Michael Hornberg, Vorsitzer des Cartell Rupert Mayer

Das Konzept "Rupert 20"

Liebe Cartellfreundinnen und –freunde,
meine Damen und Herren,

erlauben Sie mir, dass ich mich zu Beginn unseres Treffens zu Wort melde. Ich möchte Ihnen das Konzept „Rupert 20“ vorstellen.

Keine leichte Kost – sondern etwa wie ein in Stein, den man ins ruhige Wasser geworfen hat und jetzt erstaunt ist über die Wellen am Ufer.

Ich tue das, um mich vorzustellen und mit Ihnen über das zu sprechen was ich vorhabe und womit wir uns – nolens, volens – in der kommenden Zeit beschäftigen müssen, zum Wohl des Cartells und der Gilden.

Fakten:

Eine Bestandsaufnahme am Anfang mag interessant sein löst aber die Probleme nicht. Sie ist aber dennoch notwendig, um in der Ge4genwart die Weichen für die Zukunft zu stellen. Außerdem sind die Defizite uns allen bekannt:

  • der demographische Alterungsprozess (nicht in allen Gilden, doch immer noch in zu vielen)
  • Nachwuchsmangel
  • Suche nach den Antworten, den Basics
    woher kommen wir
    wer sind wir
    wohin wollen wir gehen?

Manche der Probleme, mit denen sich das Cartell und auch manche Gilde auseinandersetzen muss, war mir bei der Übernahme des Amtes im Januar 2016, und damit der Übernahme der Verantwortung, nicht bekannt.

Daraus erwuchs aber die Erkenntnis: „Wir haben keine Zeit zu verlieren, wenn wir uns auf die Zukunft einlassen“.

Und wir haben Potenziale, auf die wir uns einlassen können und auf die wir zurückgreifen müssen:

  • Die Frankfurter Erklärungen vom Oktober 2009 als spiritueller Leitfaden.
  • Es sind 10 Artikel – aus denen man 5 Artikel machen sollte – sprachlich etwas hölzern, aber das kann man ändern.
  • Wir haben ein flächendeckendes Netzwerk in 36 Städten, große und kleine Gilden, aktive und weniger aktive.
  • Es ist ein gehobenes Niveau bei den Mitgliedern in verantwortungsvollen Positionen in Staat und Gesellschaft, gut vernetzt mit vergleichbaren Personen und Einrichtungen.
  • Es liegt eine umfassende und wertvolle berufs- und altersbedingte Lebenserfahrung vor. (In der BWL spricht man von „Human Kapital“
  • Resignation gilt nicht, es muss eine Aufbruchstimmung her, die auf realen Fundamenten aufbaut. Fromme Sprüche reichen nicht aus. 
    (Stell Dir vor es geht und keiner probiert es!)

Ich möchte Ihnen Vorschläge und Ideen unterbreiten wie eine Zukunft aussehen kann – eben das „Konzept Rupert 20“. Sie sollen nachdenken, diskutieren, befürworten oder ablehnen.

Kompromisse erarbeiten, eigene Vorschläge machen – vor allem aber: Sie sollen mitmachen.

Wir sind keine Konsumgemeinschaft, sondern ein Zusammenschluss von Meinungs- und Willensbildnern.

Uns allen ist das Ziel gemeinsam, das Cartell und die Gilden stark und überzeugend durch diese unruhigen Zeiten zu führen. Also: Die Vernetzung des Christentums in Staat und Gesellschaft.

Ich werde keine neuen Erklärungen entwickeln, kein Reformpapier, keine Enzyklika.

Wir haben gute und bewährte Grundlagen, auf denen wir basieren – wir müssen diese Basics nur unserer und der kommenden Zeit anpassen.

Ich spreche von den Frankfurter, den Hautzensteiner Erklärungen von Juni/Oktober 2009. In 10 Grundsätzen wird hier dargelegt, wer wir sind, was unsere Aufgabe ist, wo unsere Ziele liegen.

(Für die, die diese Erklärungen nicht erinnern, liegen Exemplare aus – 

1 DIA A4 Seite als Nachtlektüre)

Die ganz praktischen Überlegungen zu „Rupert 20“ orientieren sich an diesen 10 Grundsätzen, die ich in drei Blöcken zusammenfasse: 

 

Block I

Grundsatz 1: Bewusste Gestaltung des eigenen Lebens aus dem Glauben der katholischen Kirche.

Grundsatz 2: Glauben gemeinsam leben und gegenseitige Stärkung durch Gebet und Feier der Eucharistie.

Grundsatz 3: Glaubensinhalte für unsere Zeit erschließen

Das heißt für uns „Gemeinsam sind wir stark“ aus der Kraft eines gemeinsamen Glaubens.

Die Gildefreunde sind keine Einzelkämpfer. Die Gemeinschaft – die Freundschaft – in den Gilden ist entscheidend. Alleine in dieser säkularen Welt ist die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen, ungleich niedriger als in der Gemeinschaft.

Die Gilden müssen sich aber darüber hinaus mit den Gilden der Region vernetzen und gegenseitig einladen.

Gemeinsame Veranstaltungen, z.B. Familientage (in unserem Fall Familien-Einkehrtage), Wallfahrten, Einkehrtage, ergänzen das Programm einer Gilde.

Der Anfang wird nicht einfach sein – aber der Anfang muss gemacht werden.

Block II

Grundsatz 4: Stärkere Betonung christlicher Werte in unserer Gesellschaft und Verdeutlichung ihrer positiven Wirkkraft für die Welt

Grundsatz 5: Qualifizierte Leistung in Beruf und Gesellschaft

Grundsatz 6: Pflege der Freundschaft untereinander

Christ sein – im Positiven in Gesellschaft und Freundschaft.

Christliche Werte nicht aufsagen – wie im Katechismus – sondern leben, das ist unsere Mission.

Dazu gehört auch, dass man weiß wovon man spricht.

In der Auseinandersetzung mit dem Islam macht die Pfarrerstochter und Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland in einem Interview mit der FAZ vom 16. Januar 2015 Eine höchst bemerkenswerte Aussage:

Zitat: „… Ich sehe eher für Christen die Notwendigkeit, noch mehr und selbstbewusster über ihre christlichen Werte zu sprechen und ihre eigenen Kenntnisse ihrer Religion zu vertiefen. Mit fortschreitender Säkularisierung lassen die Kenntnisse über das Christentum immer mehr zu wünschen übrig. Jeder sollte sich selbst fragen, was er zur Stärkung der eigenen Identität, zu der b ei der Mehrheit immer auch noch die christliche Religion gehört, tun kann. Das ist aber keine klassische Aufgabe für die Politik. Im Wesentlichen sind hier Kirchen und in erster Linie die Gläubigen selbst gefordert.“ Zitatende

Und sie hat Recht. Wer hat die Schreiben des Papstes Franziskus gelesen?

  1. Evangelii Gaudium, 24. Nov. 2013, Verkündung des Evangeliums
  2. Laudato Si, 24. Mai 2015, Soziale Ungerechtigkeit, Klima- und Umweltschutz
  3. Amoris Laetitia, 19. März 2016, Liebe in der Familie

 

Keine schwer verständlichen Texte. In einer verständlichen Sprache geschrieben wird Stellung genommen zu unserer missionarischen Aufgabe – das gilt auch für das Cartell und die Gilden.

„Arbeiter im Weinberg des Herrn“ (Mt 20.1-6)) zu sein, so kann man den Grundsatz Nr. 5 lesen: „Qualifizierte Leistung in Beruf und Gesellschaft erbringen..

Papst Franziskus bündelt diese Aufforderung im „Evangelii Gaudium“ (s. 2. Kapitel 50-60)

Nach der Liebe ist die Fähigkeit, Freundschaften zu schließen und zu pflegen, eines der hohen Güter zu der der Mensch befähigt ist.

Ist dieser Grundsatz Nr. 6 der Frankfurter Erklärungen eine neue, aktuelle Aufforderung für uns? Jeder prüfe sich selber.

Block III

Grundsatz 7: Förderung sozialer und caritativer Aktivitäten aus christlicher Verantwortung

Grundsatz 8: Auseinandersetzung mit aktuellen politischen, kirchlichen, sozialen und ökologischen Themen

Grundsatz 9: Bemühen um Überwindung der konfessionellen Spaltung und Kennen lernen anderer Religionen

Grundsatz 10: Respekt vor der Würde eines jeden Menschen und seinem Leben in allen Phasen

Die Zusammenfassung dieser Grundsätze kann lauten: Uns in die Gesellschaft einbringen mit Toleranz und Akzeptanz und die Würde des anderen nicht in Frage stellen.

Also: Auseinandersetzung, Toleranz, Würde -

das sind dringende Aufforderungen, wenn sie ohne Inhalt, ohne Tat bleiben, ist unser Tun, unser Zusammensein wie ein tönernes Erz oder eine gellende Schelle (1. Kor 1)

Wir müssen miteinander kommunizieren, um dann in der Lage zu sein, unsere Meinung, unsere Werte nach außen zu tragen.

Eine neue zeitgemäße, Internet-basierende Kommunikationsplattform ist dafür die Voraussetzung. Es muss die Cartellfreunde erreichen und es muss finanzierbar sein.

Die jetzigen Print-Medien sind das auf Sicht nicht mehr.

Die Gilden müssen vor Ort sichtbar sein – und interessant.

Kontakte untereinander, mit weiteren christlichen Einrichtungen im In- und Ausland sind notwendig. (z.B. KIK in Polen, BKU in Deutschland)

Es gibt in den verschiedenen Gilden bereits solche Verbindungen.

Unsere Treffen 2 x im Jahr kosten die ausrichtende Gilde viel Zeit, Arbeit und Geld. (Für 2017 noch keine Meldung)

Ich werde die Treffen auf ein Mal p.a. reduzieren. Die damit wegfallende Belastung soll in die Arbeit der Gilden vor Ort fließen – und in die Vernetzung der Gilden untereinander. Es ist nicht zuletzt auch eine ökonomische Betrachtung. Unsere Kasse ist nicht randvoll – wir leben von der Substanz.

Ein letztes Wort zu der sozialen Verpflichtung. Wir sind kein Serviceclub (z.B. Rotary, Lions). Aber wir können vor der Not die Augen nicht verschließen. Die soziale Pflicht gehört zu unserem Cartell dazu – sie ist nur nicht in Angriff genommen.

Einige Gilden haben bereits Verpflichtungen übernommen. Das soll auch nicht angetastet werden.

Die Autonomie der Gilde vor Ort gegenüber dem Cartell bleibt in jedem Fall erhalten. Wir können aber Projekt-Abteilungen bilden, die sich um soziale Aufgaben kümmern und diese übernehmen. Die Mitarbeiter in einer solchen Projektgruppe sind Gilde-Freunde und Nicht-Mitglieder der örtlichen Gruppen.

In unseren nächsten Mitteilungen werde ich einen konkreten Vorschlag hierzu veröffentlichen, z.Zt. laufen noch Beratungen darüber.

Abschluss

Wir wollen das Rad nicht neu erfinden.

Die Frankfurter / Hautzensteiner Erklärungen von 2009 bleiben unangetastet. Eine Zusammenfassung, modernere Formulierung, ist erlaubt. In der Sprache der Mathematik sagt man: „Die Aussagen der Erklärung „vor die Klammer ziehen!“

Mit dem Inhalt der Erklärungen und den vorgetragenen Maßnahmen soll das Cartell lebendig werden und zukunftsorientiert. Es soll jüngere – im Berufsleben stehende – Männer und Frauen ansprechen und interessieren.

  1. Hineinwirken in Staat und Gesellschaft zur Verfestigung des Christlichen
  2. Begegnung mit anderen Religionen und Kulturen auf Augenhöhe
  3. Der Situation Rechnung tragen, dass zukünftig das Christliche auch in den Parlamenten und damit in der Gesetzgebung und auch in der Rechtsprechung eher zurücktreten wird. 

 

Das vorgetragene Konzept „Rupert 20“ heißt so, weil wir auch in der Zukunft in Pater Rupert Mayer unser Vorbild sehen. Wir haben die Aufgabe, sein Wirken mit unseren heutigen Mitteln und Verständnis auf die nächsten 4 Jahre, also 20(20) – d.i. das vermutliche Ende meiner Zeit als Vorsitzender – fortzusetzen.

 

Mit Gottes Segen.

Vielen Dank für Ihr Zuhören.

 

Hans-Michael Hornberg

Vorsitzer des Cartells Rupert Mayer

Willkommen im Cartell Rupert Mayer Mitgliederbereich

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