| aus den Freundeskreisen | Wilhelm Tacke

Ausflug der Ansgar-Gilde am 28. Juli 2017

Auch in diesem Jahr wurden wieder auf dem Sommerausflug der Gilde einige vorreformatorische Kirchen in Friesland und Ostfriesland besucht, um handgreiflich zu erfahren, wie die Reformation das Innere der Kirchen veränderte.
Die Freunde kamen auf einer wenig befahrenen Autobahn, um ohne Staus an das erste Ziel, die kleine St.-Dionysius-Kirche in Asel. Ihr Äußeres bestand weitgehend aus recycelten Findlingen, mit denen man in Zwei-Wand-Technik die Kirche auf die künstliche Warft gesetzt hatte. Zweierlei fiel auf, was sich andernorts wiederholte: Man hatte das dicke Türmchen neben die Kirche gesetzt und an der Ostwand war deutlich ablesbar, dass man die Chorapsis irgendwann wegen Baufälligkeit hatte beseitigen müssen.
Beseitigt hatte man auch den papistischen Flügelaltar, um ihn durch einen lutherischen Katechismus-Altar zu ersetzen. Mit dem rückte man insofern von der reformierten Umgebung ab, indem man die fünf Textspalten auf dem Retabel jeweils mit einem Bild bekrönte; und zwar mit Moses, Petrus, Jesus, Johannes dem Täufer wie der Ankündigung des Verrats beim Abendmahl. Und im Tympanon brachte man die Auferstehung unter.

In der St.-Florian-Kirche zu Funnix war dann das Erstaunen beim Eintritt in die Kirche groß, schaute man doch beim ersten Blick auf einen Lettner, auf dem ein Orgelchen prangte. Beides verstellte den Blick auf einen prächtigen gotischen Flügelaltar. Dessen Reliefs waren schnell entziffert. Nur bei den letzten auf dem linken Flügel gab es Probleme, denn dort waren Szenen aus dem Leben des Hl. Andreas zu sehen. Neugierig machte die Jahreszahl 1668 auf der Predella. Sie erinnerte an etwas sehr Ungewöhnliches.
Denn, obwohl man in vielen anderen Gotteshäusern gerade in jenen Jahren die papistischen Altäre im hohen Bogen aus den Kirchen hinauskegelte, um sie durch lutherische Barockaltäre zu ersetzen, machte man sich in Funnix daran, den Altar nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wieder in Stand zu setzen. Wohl zu recht. Denn zwei bereits geschmückte Stühle machten klar, dass vor diesem Altar gerne geheiratet wird.
Um in die St.-Marien-Kirche zu Buttforde zu gelangen, musste erst ein Regenguss abgewartet und der Schlüssel vom Tankwart abgeholt werden. Danach konnte ein außergewöhnlicher Schriftaltar besichtigt werden. Unter Umständen waren die Buttforder irgendwann den Blick auf ausschließlich heilige Texte so satt, dass sie sich 1657 drei Reliefs vom auf dem Kirchenboden entsorgten Marienaltar holten und Maria unter dem Luther-Katechismus Asyl gewährten. U.U. sah man in den Reliefs nur noch Kunstwerke, mit denen man das ansonsten kahle und baufällige Gebäude ästhetisch ein wenig aufmöbeln wollte. Das ging auch deshalb, weil die hier dargestellte Mariengeschichte gleichzeitig auch evangelische Christusgeschichte ist, denn dargestellt waren die Geburt Jesu, die Anbetung durch die Dreikönige und die Darstellung im Tempel; an sich wahrlich nichts verwerflich Papistisches...

In der St.-Ägidien-Kirche zu Stedesdorf war der von Bilderstürmern zerdepperten Taufstein von einem Wust von Blumengebinden umgeben, die einen Sarg rahmten. Die Hanseaten kamen mithin gerade rechtzeitig, sich die Heiligen am Taufstein anzusehen, die Bilderstürmer ihrer Gesichter beraubt hatten. Die Angriffe zielten bewusst auf die Machtsymbole und Häupter der Heiligen. So wurde u.a. eine Mitra zertrümmert. Man machte die Heiligen mithin kopf- bzw. gesichtslos. Der nachreformatorische Flügelaltar bestand wie der in Asel aus Schrift und Bild. Dargestellt waren Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung. Den „katholischen“ Altarblock hatte man nachreformatorisch in Holz eingekleidet, so dass der steinerne Altar zum beschrifteten Abendmahlstisch mutierte. Die Predella schlug das Alte Testament auf, während das Retabel das Neue aufschlug.
Bevor die Ansgarier die St. Bartholomäus-Kirche in Dornum besuchten, warfen sie eine kurzen Blick auf das Schloss der dortigen Häuptlinge und einen etwas längeren in die alte Synagoge. In der Kirche überraschte ein lutherischer Barock-Altar von Hinrich Cröpelin, 1683, eine Kanzel von ihm, eine Priche der Häuptlinge von Closter wie deren Gruft. Natürlich bekam auch der Orgelprospekt von Gerhard von Holy, 1711, bewundernde Blicke ab.
Um den reformierten Schriftaltar in der Kirche zu Roggenstede zu sehen, musste Freund Tacke erst von Pontius zu Pilatus durchs Dörfchen tigern. Es gelang ihm aber, den beeindruckenden Kirchenschlüssel zu ergattern. So konnte zum krönenden Abschluss ein reiner Schriftaltar bewundert werden. Er wurde lediglich durch die Umrisse eines Kelchs wie einer Hostie aufgelockert. In die hatte man in Gold die Einsetzungsworte und das „Vater unser“ geschrieben.
Kurzum die Bremer Freunde konnten die ganze Breite der möglichen Veränderungen nach der Reformation in den altehrwürdigen Kirchen des ehemaligen Erzbistums Bremen studieren.
Auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz: Mittags kehrte man in Esens ein und Kaffee gab’s zum Abschluss in Wittmund

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