| aus den Freundeskreisen | Ansgar Rebbelmund, Michael Jochim (Altfrid-Gilde, Essen)

Gemeinsamer Theologischer Gesprächsnachmittag der Altfrid-Gilde, Essen und der Alfred-Delp-Gilde, Bochum 20. August 2016, Kloster Stiepel, Bochum

Am Kloster Stiepel in Bochum ist im vergangenen Jahr ein Mahnmal errichtet worden.

Ein Stück der ehemaligen Berliner Mauer gab den Anstoß und unter Mitwirkung von Gildefreunden aus der Bochumer Alfred-Delp Gilde und der Altfrid-Gilde, Essen wurde daraus die „Stiepeler Mauer“. Sie steht unter dem Leitspruch „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ und ist deutlich mehr geworden als ein museales Relikt aus vergangenen Tagen. Bedauerlicherweise ist sie angesichts der Tatsache, dass aktuell weltweit neue Mauern und Zäune entstehen um Menschen von einander zu trennen - auch und insbesondere in Europa - noch deutlich aktueller als gedacht. Sie informiert, sie mahnt, sie regt an, sie fordert auf.

Die Stiepeler Mauer

Ausgangspunkt ist die Berliner Mauer, die eine Stadt spaltete und damit zwei große Teile der Welt entzweite. Über 28 Jahre lang war sie betongewordener Ausdruck des Kalten Krieges zwischen Ost und West. 1989 fiel sie, und mit ihr bröckelte die deutsche Teilung. Ein Jahr später feierte Deutschland seine Wiedervereinigung.

Heute finden sich Teile der Berliner Mauer über den gesamten Globus verteilt, wo sie als stumme Zeugen daran erinnern, was Mauern und Grenzen anrichten können. Das Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel ist seit September 2015 Heimat eines solchen Mauerstücks. Es bildet, zusammen mit drei gläsernen Stelen, die Stiepeler Mauer. Ein Ort, der mahnen will – und gleichzeitig einlädt: zur Begegnung, zum Gedenken und zur Information.

Das intentionale, didaktische Anliegen konkretisiert sich in dem Bibelvers

„Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (Ps 18,30).

Die Berliner Mauer bleibt nicht mehr bloß Mauer im Wortsinn oder Symbol für den übergeordneten Konflikt zwischen Ost und West, sondern wird zum Sinnbild für dessen Überwindung. Gleichzeitig regt der Bibelvers zum Nachdenken an. Darüber, welche Mauern noch gemeint sein könnten oder, viel grundlegender, in welcher Form Mauern auftreten – auch heute noch, ein Vierteljahrhundert nach dem Fall „der Mauer“.

Die Stiepeler Mauer will dazu anregen, über Mauern nachzudenken, sich über bestehende Mauern bewusst zu werden – sie gleichzeitig dazu einladen, „Mauern im Kopf“ einzureißen und keine neuen entstehen zu lassen. Mauern markieren Grenzen. Zwischen „Wir“ und „Ihr“, zwischen „Mein“ und „Dein“. Mauern wohnt das Trennende inne, das Ein- oder Ausschließende – und damit der Konflikt. Mauern können konkreter Ausdruck von Konflikten sein: die Berliner Mauer etwa, die bis 1989 die Konfliktlinie zwischen Ost und West zementierte.

Doch wie steht es um aktuelle Konflikte? Oder um Grenzen, die sich ohne Stein und Beton vollziehen? Die manchmal nicht mehr sind als die metaphorischen Mauern im Kopf? Und was ist mit den Menschen, die diese Mauern überspringen, sich für ihre Überwindung engagieren?

Exemplarisch zeigt die Stiepeler Mauer fünf Konfliktlinien auf – ausschlagend, abflachend, sich überschneidend. Wie auch Konflikte immer wieder aufflammen, nicht trennscharf verlaufen, kurz: komplex sind und sich ständig wandeln. Gleichzeitig bietet sie Raum für Menschen, die mit ihren Worten und ihrem Handeln für die Überwindung von Konflikten eingetreten sind oder eintreten. Die Orientierung geben und Mut machen – wie der Bibelvers, den die Stiepeler Mönche ausgewählt haben. Die fünf Konfliktlinien sind wie auch die Grundlagen für diese Informationen zu finden auf der Webseite „ www.stiepeler-mauer.de“.

Es lohnt sich also, die Stiepeler Mauer zu besuchen und sich mit ihr zu beschäftigen.Das haben wir getan und zwar gemeinsam mit unseren Gildefreundinnen und Gildefreunden der Alfred-Delp-Gilde, Bochum.

Wir haben uns in zwei Arbeitsblöcken mit dem Mahnmal, seinem Leitspruch und den thematischen Inhalten auseinandergesetzt. Zwischendurch haben wir bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen gefunden, die dann beim Abendessen fortgesetzt wurden. Den Abschluss bildete der gemeinsame Gottesdienstbesuch in der Klosterkirche. Als Referenten haben wir – im Kloster Stiepel - gewinnen können : Pater Prof. DDr. Justinus Pech OCist Dr. theol., Dr. rer.oec., Lic. theol., Dipl. Kfm., Dipl.-Theol., Bacc. phil., A. o. Professor für Fundamentaltheologie, Mitglied des Instituts für Dogmatik und Fundamentaltheologie Zur weiteren Information lohnt sich ein Besuch auf der Internetseite www.stiepeler-mauer.de .

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