| Kirche | P. Peter Linster SJ, Geistlicher Beirat

Mittagstisch am Bürgersaal

Bürgersaalkirche - Wirkungsstätte P.R.Mayer SJ

P. Rupert Mayer SJ als Vorbild

Gewiss: der selige Pater Rupert Mayer lebte in einer anderen Zeit. Aber es gab damals nach dem Ersten Weltkrieg, in der Spanne zwischen den beiden Kriegen und nach dem Zweiten Weltkrieg so viel Armut und so viele Bedürftige in der Stadt, dass es für Pater Rupert Mayer, die Caritas und die vielen Helfer von damals eine ähnliche Herausforderung war, wie die heutige Zeit sie an uns heranträgt. Dabei stellt sich wieder einmal heraus, dass das Wort Jesu nicht nur für eine bestimmte Zeit gesprochen ist, sondern für alle Zeit: „Arme habt ihr allezeit bei euch.“

Ein Rückblick auf die damalige Zeit und die Situation der karitativen Arbeit kann uns deutlich machen, dass alle, die sich heute um die Armen und Ausgegrenzten mühen, in einer großen Tradition stehen, für die auch und gerade der Bürgersaal einen guten und historischen Anknüpfungspunkt bedeutet.

So zeigt P. Roman Bleistein SJ in seinem Buch „Pater Rupert Mayer. Der verstummte Prophet“ auf, wie P. Rupert Mayer und seine Mitbrüder von St. Michael damals den Menschen ganz konkret geholfen haben. Jemand muss damals wirklich sehr genau Buch geführt haben (eine Aufgabe, die man auch heute nicht vergessen sollte!), denn der Text klingt so, als sei er teilweise der Hauschronik von St. Michael entnommen. Dabei geht es mir freilich weniger um einen historischen Rückblick als vielmehr um eine Ermutigung derer, die sich heute um den Tisch Gottes kümmern.

„In den zwanziger Jahren war die Not in Deutschland groß. Der Krieg hatte viele finanzielle Vermögen aufgezehrt, die Inflation wirtschaftlichen Ruin gebracht, die aus dem Krieg heimgekehrten oder verwundeten Soldaten fanden keine Arbeit. Es gab ein Heer von Armen und Bedürftigen, auch in München. Sie wandten sich auch an das Haus der Jesuiten bei St. Michael. Im Einverständnis mit den Obern und in ihrem Auftrag‘ – heißt es im zitierten Rückblick von 1931 – hat die Armenpflege unseres Hauses P. Rupert Mayer. Das Antoniusopfer und die Almosen des Hauses gehen durch seine Hände ... Doch beteiligten sich im vergangen Jahr und auch jetzt noch alle Patres an der Liebestätigkeit zur Linderung der Not ... Wenn der ,Bayrische Kurier‘ vor ein paar Tagen in einer Zusammenstellung über die Liebestätigkeit an den Klosterpforten gesagt hatte, wir hätten im letzten Jahr Lebensmittel und Brennmaterial im Werte von 34 000 Mk. ausgegeben, dann ist damit nur die Zeit vom 1. November 1930 bis 1. April 1931 erfasst ... Im ganzen wurden 4399 Familien unterstützt und damit 17 596 Kinder. Wir haben versucht, die würdigsten und ärmsten herauszufinden. So hatte es auch der Spender gewünscht ...‘An Lebensmitteln wurden etwa 35 390 Pfund ausgegeben ... Durch Gutscheine wurden Mehl, Zucker, Teigwaren, Fett und Hülsenfrüchte angewiesen. Für eine warme Stube sorgten 4281 Zentner Kohlen und 7141 Bündel Holz. Auch für Kinderhorte und Kinderspeisung wurden über 1000 Mk. ausgegeben. An 137 Familien kamen Weihnachtspakete. Jedes hatte einen Wert von 9 Mk. Auch Barspenden in der Höhe von 3000 Mk. suchten der Not abzuhelfen.

Bei all diesen Aktivitäten hatte Mayer immer seine Hand im Spiel; sein Zimmer wurde zu einem Wallfahrtsort der Armen: Dort erbaten sie Trost, dort empfingen sie Hilfe in unzähligen, vielartigen Anliegen. Mayer schrieb Briefe, um finanzielle Unterstützung zu erbitten; er verteilte Almosen oder gab Darlehen an Bedürftige. Er gab Gutscheine aus, mit denen Arme bei einem Bäcker sich etwa 14 Tage lang täglich einen Laib Brot abholen konnten.

Auf diese Weise entwickelte sich P. Mayer gleichsam zum 15. Nothelfer in der Stadt München. Als es z.B. in München kein Kraut gab, kauften die Patres bei den Bauern in Ismaning 1580 Zentner Kraut. Münchner Groß Firmen transportierten dieses kostenlos nach München. Es wurde im Innenhof von St. Michael gelagert und kam dort zur Verteilung. Als Mayer leicht vorwurfsvoll angesprochen wurde, er werde doch gewiss auch in vielen Fällen hintergangen, beharrte er auf der Richtigkeit seines Handelns und seiner Güte mit der Begründung, es könne unter denen, die ihn betrügen wollten, auch ein echter Bedürftiger sein. Ihn dürfe er nicht übersehen. Dieser Tutorismus der Güte war unbestreitbar richtig.“ Wenn die Männer und andere freiwillige Helfer der Kongregation heute – auch in Anlehnung an ihren großen Präses P. Rupert Mayer – bedürftige Menschen zu einer warmen Mahlzeit einladen, so darf eigentlich dabei nicht vergessen werden – was gewiss ebenso wichtig oder gar noch wichtiger ist, dass diesen Menschen auch Gelegenheit geboten wird zu einem Gespräch nach dem Essen. Die Kongregation kann ja in allem, was sie in dieser Beziehung tut, an alte und bewährte Traditionen anknüpfen und das tun, was gerade unserer heutigen anonymen und seelenlosen Zeit so besonders wichtig ist.

Ermutigung durch Papst Franziskus

Als eine weitere Ermutigung für den Mittagstisch und alle seine Helfer soll auch noch Papst Franziskus mit einem Zitat aus seiner Enzyklika „Evangelii Gaudium“ zu Wort kommen: „Die Kirche, die dem Evangelium von der Barmherzigkeit und der Liebe zum Menschen folgt, hört den Ruf nach Gerechtigkeit und möchte mit allen ihren Kräften darauf antworten. In diesem Rahmen versteht man die Aufforderung Jesu an seine Jünger: ,Gebt ihr ihnen zu essen!‘ (Mk 6,37), und das beinhaltet sowohl die Mitarbeit, um die strukturellen Ursachen der Armut zu beheben und die ganzheitliche Entwicklung der Armen zu fördern, als auch die einfachsten und täglichen Gesten der Solidarität angesichts des ganz konkreten Elends, dem wir begegnen. Das Wort ,Solidarität` hat sich ein wenig abgenutzt und wird manchmal falsch interpretiert, doch es bezeichnet viel mehr als einige gelegentliche großherzige Taten. Es erfordert, eine neue Mentalität zu schaffen, die in den Begriffen der Gemeinschaft und des Vorrangs des Lebens aller gegenüber der Aneignung der Güter durch einige wenige denkt.“ Damit sagt der Papst, dass wir heute mehr denn je dazu gerufen, ja eingeladen sind, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Menschen zu helfen. Und so soll und möge der Mittagstisch der Marianischen Männer Kongregation ein Zeichen sein, wie ernst wir den Ruf der Armen nehmen, der ja immer auch ein Ruf Jesu ist. Lasst uns also mit den Menschen teilen, was uns andere Menschen durch ihre Spenden hochherzig zukommen lassen.

Hilfesuchender vor der Kirche

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