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Ehrenpromotionen an der Ruhr-Universität im Zeichen der Ökumene

Die Bochumer Gilde Alfred Delp unterhält traditionell gute Beziehungen zur Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität. Viele Gildefreunde sind auch Mitglieder des Fördervereins dieser Fakultät. Einmal jährlich verleiht die Gilde auf der Examensfeier einen Preis für die beste Examensarbeit.

Aufgrund dieser guten Beziehungen möchten wir den Freunden im Cartell Rupert Mayer über einen erfreulichen Höhepunkt der katholisch-theologischen Fakultät berichten. In einem feierlichen Festakt, der auch von Mitgliedern der Bochumer Symphoniker umrahmt wurde, verlieh die Ruhr-Universität Bochum am Mittwoch, den 26. April 2017, dem langjährigen Mainzer Bischof und Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz Karl Kardinal Lehmann sowie dem evangelischen Bischof und früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Wolfgang Huber die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät. Den passenden Anlass gaben die Feiern zum Jubiläum 500 Jahre Reformation. „Damit setzen wir im Lutherjahr ein Zeichen der Ökumene“, so Prof. Dr. Georg Essen, Dekan der Bochumer Fakultät. Weiter erklärte er: „Bischof Huber und Kardinal Lehmann stehen für eine Theologie, die auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit präsent ist und sich einbringt. Sowohl bei Kardinal Lehmann wie bei Bischof Huber ist das Bewusstsein erkennbar: Viele Herausforderungen stellen sich den christlichen Kirchen heute gemeinsam .“

In der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), Bonn , hat Herr Martin Schirmers dazu den folgenden Bericht veröffentlicht, den wir hiermit zur Kenntnis geben möchten:

Ökumene in postfaktischen Zeiten - Ehrenpromotionen für Wolfgang Huber und Karl Lehmann

Bochum (KNA) "Diskurs und Vielfalt": Beides kennzeichnet Wissenschaften, und es beschreibt auch die ökumenischen Beziehungen zwischen den Kirchen. Bei der Verleihung der Ehrenpromotionen der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum an den früheren evangelischen Berliner Bischof Wolfgang Huber und Kardinal Karl Lehmann zogen sich die Begriffe Diskurs und Vielfalt wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.

Teresa Berger, Liturgiewissenschaftlerin an der Yale University in den USA, hob in ihrer Laudatio das ökumenische Grundeinverständnis Hubers und Lehmanns hervor, das sich deutlich von aktuellen Tendenzen in den USA abhebe. Dort drifteten die Kirchen auseinander, und statt eines "Mitgestalten der Gesellschaft aus christlichem Glauben heraus" grassiere eine "Benedikt-Option": Aus Protest gegen gesellschaftlich-politische Realitäten zögen sich Christen wie einst der Ordensgründer aus Nursia von der Welt zurück. "Ich kenne in den USA niemanden, der wie Sie als Theologen und Kirchenmänner Respekt erfährt", sagte Berger an Huber und Lehmann gewandt.

Der international renommierte evangelische Kirchenhistoriker Christoph Markschies von der Humboldt-Universität in Berlin plädierte in seinem Festvortrag für eine wissenschaftliche Theologie auf einem hohen methodischen und inhaltlichen Niveau.

Lehmann und Huber hätten gezeigt, dass der Wurzelgrund ihres Bekenntnisses Objektivität und Rationalität der Theologie als Wissenschaft in keiner Weise beeinträchtige. Theologie, so Markschies weiter, sei "Theologie für die Gesellschaft" und kein akademischer Elfenbeinturm. Lehmann und Huber seien sich einig, dass die Kirche nicht nur Anwalt der Schwachen, sondern auch Anwalt der Versöhnung der ganzen Gesellschaft sei. Wo Fakten, Toleranz und Pluralismus grundsätzlich infrage gestellt würden, komme der Theologie biblisch gut begründet eine wichtige Begrenzungsfunktion zu, um konkurrierende Wahrheitsansprüche zu befrieden. Markschies warb schließlich für die großen Themen der Theologie und zitierte Lehmann: "In einem zweiten Leben als Theologe würde ich vieles über Bord werfen an breiter, umfangreicher Gelehrsamkeit und viel intensiver über Gott nachdenken, einschließlich des dreifaltigen Gottes."

Huber richtete in seinem Vortrag den Blick auf eine "Ökumene des Indikativs, auf das, was uns bereits gegeben ist". Die ökumenische Gemeinschaft stehe nicht zur Disposition, sie sei vielmehr mit dem Bekenntnis "ein Herr, ein Glaube, eine Taufe" bereits gegeben. Huber zeigte sich überzeugt: "Wenn unsere Kirchen gemeinsam Christus als das versammelnde Zentrum bekennen, werden unterschiedliche Akzente dieses Zentrum nicht in Frage stellen, sondern zum Leuchten bringen."

Eine nüchterne Tour d'Horizon der Ökumene und ihrer Nachhaltigkeit unternahm Kardinal Lehmann. Maßgebliche Dialogergebnisse seien nicht rezipiert worden und könnten in Vergessenheit geraten, kritisierte er. Mit Harding Meyers "In-via-Erklärung" (2003) forderte Lehmann, "Erreichtes" müsse festgehalten und kirchlich bejaht und das noch nicht Erreichte markiert werden, denn: "Es genügt nicht, viele Ergebnisse anzuhäufen. Sie müssen auch einer verbindlichen Beurteilung und Vereinbarung zugeführt werden." Die Kirchenleitungen müssten konsequent in die einzelnen Etappen eingebunden werden, um verbindliche Entscheidungen herbeizuführen. Dazu seien in den Kirchen "institutionelle Orte zur Koordinierung der Ergebnisse" mit entsprechender Vollmacht nötig. Lehmann ermunterte dazu, sich auf den Weg zu machen und dabei "keine Angst vor Umwegen, Holzwegen oder auch manchmal Irrwegen“ zu haben. Das Ziel sei entscheidend.

Soweit die Ausführungen von Herrn Schirmers.

Damit folgt diese hervorragende Veranstaltung dem Aufruf des Papstes im Schreiben „Evangelii Gaudium“, in dem es heißt:“Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus sondern durch Anziehung.“

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